CADESAN

Stärkung der Kapazitäten für Dezentralisierung im Andenraum

Übersicht

Die Sicherung von Effektivität und Nachhaltigkeit von Dezentralisierungsprozessen stellt hohe Anforderungen an die Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft der Fach- und Führungskräfte der Gebietskörperschaften. Zu den wichtigen Elementen einer systematischen Personalentwicklungspolitik gehört vor allem ein nachfrageorientiertes und qualitativ hochwertiges Angebot an Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen.

Hintergrund

In den Andenländern Peru, Ecuador und Bolivien wurden in den letzten Jahren verstärkt gesetzliche und institutionelle Reformen mit dem Ziel vorgenommen, mehr Kompetenzen an die Gebietskörperschaften zu übertragen. So wurde in Bolivien 2010 ein Rahmengesetz verabschiedet, das die Autonomie der 36 verschiedenen Kulturen stärken und die Dezentralisierung vorantreiben soll (Ley Marco de Autonomías y Descentralización). Zur Weiterentwicklung des 2002 eingeleiteten Dezentralisierungsprozesses in Peru wurde 2012 eine nationale Verwaltungsschule geschaffen und 2013 ein Laufbahngesetz verabschiedet (Ley de Servicio Civil), das Leistung und Kompetenz der Mitarbeiter in den Vordergrund von Eingruppierung und Bezahlung stellt. Die neue Verfassung Ecuadors von 2008 strebt eine vollständige Reorganisation des Staates mit weitgehender Dezentralisierung öffentlicher Aufgaben an. Die Vorgehensweise wird in einem detaillierten Plan für die Jahre 2012 bis 2015 festgelegt. Die Umsetzung dieser komplexen Reformansätze stößt in den drei Ländern neben finanziellen Restriktionen insbesondere auf die unzureichende Qualifizierung des kommunalen Fach- und Führungspersonals. Im Rahmen des regionalen Projektes „Stärkung der Kapazitäten für Dezentralisierung im Andenraum (2012-2014)“ – Fortalecimiento de Capacidades para la Descentralización en los Paises Andinos (CADESAN) - arbeitet die GIZ gemeinsam mit den nationalen Partnerorganisationen daran, einen Beitrag zum Aufbau eines wirksamen Fortbildungssystems zu leisten. 

Ziele

Mit Hilfe des Projektes sollen nationale und subnationale Akteure in den Stand versetzt werden, gezielte Reformmaßnahmen für ein nachfrageorientiertes Angebot an Fort- und Weiterbildung für das Personal von Gebietskörperschaften umzusetzen. Zwei inhaltliche Ansätze stehen dabei im Vordergrund, die in allen drei Ländern von Bedeutung sind: zum einen die Fragen nach der Ausgestaltung nationaler Politiken für die Weiterbildung des Personals der Gebietskörperschaften, zum anderen Kenntnisse, Erfahrungen und Methoden zur Rolle von Netzwerken bei der Sicherung von Qualität und Breitenwirksamkeit von Weiterbildungsangeboten.

Aktivitäten

Aufgrund der gemeinsamen Problemstellungen setzt das Projekt in allen Aktivitäten bewusst auf das Instrument des regionalen Erfahrungsaustauschs, um so das Lernen der drei Länder voneinander zu ermöglichen. Aufbauend auf Studien zur aktuellen Situation des Weiterbildungsangebotes in den drei Ländern werden verschiedene regionale Dialog– und Weiterbildungsaktivitäten umgesetzt. Im Fokus stehen dabei die Organisation und das Management von Netzwerken zur Verbesserung des Fort-und Weiterbildungsangebotes für öffentlich Bedienstete. Dialogmaßnahmen und Studienreisen sollen zunächst politische Entscheidungsträger für die Möglichkeiten und die Sinnhaftigkeit der Netzwerkarbeit in der Fort- und Weiterbildung sensibilisieren. In Weiterbildungskursen, in denen die Blended-Learning-Methode zum Einsatz kommt, werden den mit der Umsetzung betrauten Fachkräften Kenntnisse und Fähigkeiten in der Organisation und dem Management von Netzwerken vermittelt. Als weitere Instrumente stehen dem Projekt Fachkräfteaustauschprogramme und Kurzzeitberatungen sowie die Dokumentation guter Praktiken zur Verfügung. Bei allen Aktivitäten steht die Praxisorientierung im Vordergrund, d.h. der konkrete Transfer des Gelernten und der gemachten Erfahrung in den jeweiligen Arbeitskontext der Teilnehmer. Teilnehmer der Netzwerke in den drei Ländern sind die nationalen Institutionen mit Mandat für die Dezentralisierungspolitik, nationale Verwaltungsschulen, ausgewählte Gebietskörperschaften sowie ausgewählte Universitäten und Nichtregierungsorganisationen.

Wirkungen

Die Maßnahmen zum Auf- und Ausbau von Netzwerken für eine nachfrageorientierte und wirkungsvolle Weiterbildung der Fach- und Führungskräfte der Gebietskörperschaften in den drei Ländern zeigen erste Ergebnisse. So wurde in Peru im neuen Laufbahngesetz die Schaffung eines nationalen Weiterbildungssystems verankert, für dessen Umsetzung die nationale Behörde des öffentlichen Dienstes verantwortlich ist. Praktische Erfahrungen mit der Umsetzung eines institutionen-übergreifendes, abgestimmtes Fortbildungsprogrammwurden in der Region San Martín gesammelt, wo 69 Personalabteilungen der Regionalregierung und der Gemeinden von einem Trainingskurs zum Thema „Arbeitsplatzbeschreibung“ profitierten. In Bolivien entstand aufgrund eines Transferprojektes der Teilnehmer an einer Studienreise nach Deutschland und den anschließenden regionalen Dialog- und Weiterbildungsmaßnahmen zum Thema Netzwerkmanagement im Mai 2013 das interinstitutionelle Netzwerk für die kommunale Fort-und Weiterbildung (Red Interinstitucional de Formación y Capacitación Autonómica Municipal - RIFCAM). Ihm gehören unter Federführung des Autonomieministeriums sechs weitere Ministerien, der nationale Gemeindeverband, der Verband der weiblichen Gemeinderäte sowie die nationale Verwaltungsschule an. Inzwischen konnte das Netzwerk verschiedene abgestimmte Fortbildungen unter Nutzung der jeweiligen Kompetenzen seiner Mitglieder durchführen. 

Fazit

Nachhaltige Stadtentwicklung braucht einen aktiven Ansatz in Wissensbildung und Wissensdiffusion. Für die Weiterbildung der kommunalen Fach- und Führungskräfte können die Verantwortlichen in vielen Partnerländern auf ein vielfältiges Angebot öffentlicher und privater Fortbildungsanbieter zurückgreifen. Oft weisen diese Angebote jedoch Defizite in der Bedarfsausrichtung, Qualitätssicherung sowie in der Anpassung an die Erfordernisse der Personalentwicklung im Öffentlichen Dienst auf. Auch sind wegen der Parallelstrukturen die Kosten nicht selten überhöht. Wie das Projekt CADESAN zeigt, können Netzwerke, die die relevanten Akteure aktiv einbinden, für eine effektive Koordination und Kooperation des Weiterbildungsangebotes sorgen, das sich an der tatsächlichen Nachfrage orientiert und seine Qualität sichert. Bei ähnlich gelagerten Herausforderungen kann ein zusätzlicher Mehrwert im organisierten Erfahrungsaustausch zwischen Nachbarländern liegen.

Weitere Informationen

 

CADESAN Youtube-Kanal

Stand: 06.06.2014

Kontakt

Susanne Friedrich
Projektleiterin

susanne.friedrich(at)giz.de

Bilder

Kategorien:Good Urban GovernanceDezentralisierung
Regionen:LateinamerikaBolivienEcuadorPeru

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