Der Schnellbus Rea Vaya in Johannesburg

Auf eigenen Routen stadtverbindend

Übersicht

Der Schnellbus „Rea Vaya“ bildet das Rückgrat der Stadtentwick­lung in Johannesburg. Täglich wird er von 45.000 Pendlern ge­nutzt. Morgens um fünf fährt der erste, um Mitternacht der letzte Bus. In den Hauptverkehrszeiten alle drei Minuten. Er halbiert die übliche Fahrtdauer, und sein Preis beträgt ein Dollar (73 Euro-Cents) pro Fahrt – die Hälfte einer Fahrt im Kleinbus-Taxi.

Hintergrund

Das Apartheid-System in Südafrika setzte auch städtebaulich auf Rassentrennung: Weit voneinander entfernt liegende Townships im Süden und weiße Stadtquartiere im Norden prägen die Metropolregion Johannesburg mit ihren 4,5 Millionen Bewohnern. 3,5 Millionen davon leben allein in Soweto, das 30 Townships umfasst. Übervolle Kleinbus-Taxis transportieren 70 Prozent der Bevölkerung und verstopfen vor allem morgens und abends zusammen mit PKWs und LKWs die Straßen. Die Folgen: Stundenlanges Warten und lange Fahrwege, hohe CO2-Emissionen und eine gesundheitliche Belastung der Bevölkerung. Die Vorbereitung auf die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika von 2010 setzte 2006 einen Wandlungsprozess in Stadtpolitik und Verwaltung, aber auch in Wirtschaft und Bevölkerung in Gang, der im Laufe der Zeit zunehmend auch Ziele einer grünen und mobilen Stadtentwicklung verfolgt.

Ziele

Im Februar 2014 betonte die Stadt einmal mehr, den Modal-Split zu ändern: Bis 2020 sollen 15 Prozent der täglichen Autofahrten auf den öffentlichen Nahverkehr verlagert werden, der derzeit nur 47 Prozent ausmacht. Davon entfallen wiederum 72 Prozent auf Kleinbus-Taxis, 14 Prozent auf Zugfahrten und nur neun Prozent auf den Bus. Angestrebt wird, bis 2020 die Stadtentwicklung soweit verändert zu haben, dass 85 Prozent der Bevölkerung in einer Distanz von maximal einem Kilometer zur nächsten Haltestelle leben. Über 800 Busse sollen dann über die Straßen rollen und die Bevölkerung auf einer Wegstrecke von 330 Kilometern versorgen. Die CO2-Einsparung, die von 2009 bis 2013 bereits über 380.000 Tonnen betrug, soll auf 1,6 Millionen Tonnen anwachsen.

Aktivitäten

Für das Schnellbus-System Rea Vaya waren im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft neben den baulichen Maßnahmen etliche planerische und vor allem diplomatische Vorarbeiten notwendig. Nicht nur in Wirtschaftskreisen stieß das moderne Mobilitätskonzept anfangs auf Vorbehalte. Vor allem die Taxibetreiber protestierten vehement gegen die Pläne. Sie sahen ihre Einkünfte schwinden, denn nach Berechnung der Stadt ersetzt ein Bus 40 Autos oder etliche Kleinbus-Taxis. Mit Hilfe des New Yorker Instituts for Transportation & Development Policy und der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) gelang im Steuerungsgremium schließlich eine Einigung: 350 Minibus-Taxis wurden aus dem Verkehr gezogen und ihre Fahrer zu Busfahrern fortgebildet. Die neue Busgesellschaft, PioTrans, gehört mehrheitlich neun Taxigesellschaften, in denen über 300 Taxibetreiber zusammengeschlossen sind. Der Vertrag gilt für 12 Jahre. Bürger wurden bei der Planung der Routen und Stationen beteiligt, und in der Vorbereitung lernten Stadt, Taxibetreiber und die Metrobusgesellschaft durch Studienreisen von anderen Schnellbus-Systemen: Zum Beispiel dem in Bogotá, Kolumbien.

Wirkungen

Die erste Route 2009 konzentrierte sich auf die Anbindung von Soweto an das Stadtzentrum. Mitte Oktober 2013 ging die zweite Route mit 143 emissionsarmen Bussen mit Euro-5-Norm an den Start. Innerhalb von vier Jahren stieg die Fahrgastzahl von 35.000 auf 43.000 täglich. Die Haltestellen stehen als Plattformen häufig in der Mitte der Straße und verfügen über Fahrradstationen, Abfallkörbe und Sitzplätze. Kameras in Bussen und Haltestellen sorgen für mehr Sicherheit. Die Busse haben Vorfahrt an Kreuzungen, befahren eigene Spuren und sind mit den Bahnhöfen des Gautrain, einem hochmodernen Regionalverkehrszug, verbunden. Zudem wurden viele städtische Mitarbeiter, Busfahrer und Angestellte des Busunternehmens fortgebildet und über 5500 neue Jobs langfristig geschaffen.
Die Kosten beliefen sich insgesamt auf 300 Millionen Dollar. 2015 wird die dritte Route an den Start gehen und den Township Alexandra mit 800.00 Einwohnern versorgen.

Fazit

Das Schnellbus-System verkürzt die Fahrzeiten, verbessert die Umwelt und die Gesundheit der Bewohner. Angeregt durch Rea Vaya hat auch die Johannesburger Metrobus-Gesellschaft 150 neue, umweltfreundliche Busse angeschafft. Entlang der Busrouten entstehen neue Gebäude, die die Bausubstanz verdichten und die durch die Apartheid bedingte Bauweise überwinden helfen. Die Buskorridore, die schwarze Townships mit weißen Stadtvierteln über den zentralen Busbahnhof in Johahnnesburg verbinden, werden Friedenskorridore genannt. Rea Vaya ist eine erste, aber wichtige Initiative für ganz Afrika.

weitere Information

www.reavaya.org.za

www.dw.com/de/...

http://ens-newswire.com/2013/10/24/...


Bilder 1+3:
© Jborzicchi | Dreamstime.com

Stand: 23.05.2014

Kontakt

Christine Walters

Mayoral committee member for transport
City of Johannesburg

T +27-(0)11-298-5270
bulelanic(at)joburg.org.za

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Kategorien:Integrierte StadtentwicklungNachhaltige MobilitätÖffentlicher Nahverkehr und MobilitätKommunale Dienstleistungen

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