Stari Grad: wie eine Impfkampagne auch Risikogruppen erreichen kann

Pro-aktives Call Center sowie Transport- und Impfangebote für marginalisierte Bevölkerungsgruppen

Übersicht

Wer in Serbien geimpft werden möchte, muss – wie in vielen anderen Ländern – in einem Online-Portal einen Termin vereinbaren und erhält dann die Vakzine in einem Impfzentrum. Was geschieht aber mit älteren Menschen und anderen, die keinen Internetzugang haben oder nicht mit digitalen Geräten umgehen können? Oder die nicht selbst zum Impfzentrum kommen können? Das serbische Stari Grad zeigt, wie eine Kommune diese wichtige Zielgruppe ihrer Impfkampagne trotzdem erreichen kann.

Hintergrund

Die Menschen, die in der serbischen Kommune Stari Grad – der Altstadt der Hauptstadt Belgrad – leben, sind vergleichsweise alt, viele sind bereits über 65 Jahre. Sie gehören in der Covid-19-Pandemie zur Risikogruppe. Viele haben keine digitalen Geräte wie Smartphones und Computer oder können diese nicht so bedienen, um auf dem staatlichen E-Government-Portal eine Impfung gegen Covid-19 zu buchen.

So muss die Kommune andere Kanäle nutzen, um dieser Bevölkerungsgruppe ein Impfangebot zu machen. Dies gilt auch für marginalisierte Gruppen wie Menschen ohne festen Wohnsitz.

Zudem sind viele nicht ausreichend mobil und können nicht allein ins Impfzentrum kommen. Auch mit dem Ausfüllen der Formulare dort sind viele überfordert.

Ziele

Die Kommune will mit ihrer Impfkampagne alle Risikogruppen erreichen, um sie möglichst schnell zu impfen. Mit den gängigen digitalen Kanälen ist dies nicht möglich. Daher sollen auch direkte Ansprachen per Telefon erfolgen und Fahrdienste angeboten werden.

Aktivitäten

Die Kommune richtete ein Call-Center mit zehn Arbeitsplätzen ein, die alle mit dem serbischen E-Government-System verbunden sind. Die Hälfte der Mitarbeitenden kontaktiert ältere Menschen, um für sie online einen Impftermin zu buchen. Zudem organisieren sie bei Bedarf einen Transport zum Impfzentrum. Die andere Hälfte der Mitarbeitenden ist über eine Hotline für die Bürgerinnen und Bürger erreichbar, die Fragen rund um die Covid-19-Impfung haben.

Für alle, die sich nicht für die Impfung anmelden können, gibt es auch die Möglichkeit, sich ohne Voranmeldung impfen zu lassen. Darüber informierte die Verwaltung die Bürgerinnen und Bürger über die Medien sowie über das Call-Center.

Ehrenamtliche bieten einen Fahrservice zum Impfzentrum an und begleiten dort Menschen, die Hilfe während des Impfprozesses benötigen.

Wirkungen

Wer aus Altersgründen oder ähnlichem mit dem Impfprozess in Stari Grad überfordert ist, dem hilft die Kommune: Das Call-Center erreicht viele vulnerable Menschen, obwohl unter anderem Datenschutzbestimmungen zur Herausgabe von privaten Telefonnummern immer wieder eine große Herausforderung sind.

Der Auftrag des Call-Centers ist klar definiert: Hier werden nur organisatorische und allgemeine Fragen beantwortet. Zur Klärung medizinischer Themen wie Nebenwirkungen und Sicherheit der Impfstoffe leitet das Team an Ärzte weiter.

Durch die Kooperation mit dem Roten Kreuz sind in Stari Grad in der Regel etwa 30 Ehrenamtliche im Einsatz, die unter anderem den Transport älterer Menschen zum Impfzentrum übernehmen. Ihr Schutz vor einer Infektion ist allerdings nach wie vor ein Problem. Schließlich muss vermieden werden, dass sie sich etwa bei den Fahrten bei ihren Fahrgästen mit Covid-19 anstecken.

Fazit

Die Impfstrategie von Stari Grad hat sich ausgezahlt. Mitte April 2021 waren knapp 80 Prozent der über 65-Jährigen geimpft, mehr als 50 Prozent aller erwachsenen Bürgerinnen und Bürger hatten zu diesem Zeitpunkt ein Vakzin bekommen. Im serbischen und globalen Vergleich ist dies ein Spitzenergebnis.

weitere Informationen

Autorin: Susanne Reiff

Stand: 25.05.2021

Kontakt

Nevena Dodić

Stellv. Präsidentin des Gemeinderats von Stari Grad

Visniceva street 11000 Belgrade

ndodic(at)starigrad.org.rs

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